Predigt zum letzten Sonntag nach Epiphanias
von Pfarrerin Carmen Schneider


[Teil 1] - [Teil 2]

Glaubenszweifel zur Zeit des Petrusbriefes und heute …


Der Petrus-Brief lässt uns vermuten, der Jünger und Augenzeuge Petrus habe ihn selbst geschrieben. Dem ist aber nicht so, denn dieser Brief stammt aus dem 2. Jahrhundert nach Christus. Es war eine übliche Praxis und eine Form der Redlichkeit, sich auf eine berühmte Autorität zu beziehen. Der eigentliche Verfasser lebte in einer Gemeinde, in der die Menschen schon nicht mehr so fest an Christus glauben. Die ersten Zeugen waren noch von Jesus Wiederkunft zu ihren Lebzeiten überzeugt. Je länger jedoch diese Wiederkunft ausbleibt, desto schwerer fällt es den Menschen zu glauben, dass Christus das Licht und der Retter der Welt ist. Irrlehren breiten sich aus, die die Hoffnung auf Christus grundsätzlich in Frage stellen. Anderen wiederum sehen sich nicht mehr einem ethischen Lebenswandel verpflichtet und überlassen sich komplett den irdischen Begierden.

Wie werden wir gestärkt?

Dem Verfasser hört intensiv auf die Worte der Heiligen Schrift. Es ist ihm aus eigener Überzeugung wichtig, in den Menschen die Gewissheit an Christus als Licht und Hoffnungsträger zu stärken. Er weist sie auf die Gemeinschaft und den Umgang miteinander hin. Am Ende aller Zeiten werden wir vor diesem Christus stehen und auch Rechenschaft über unseren Lebenswandel ablegen müssen. Bildlich gesprochen müssen wir alle wieder den Berg mit Jesus hinabsteigen. Wir schweben noch nicht in himmlischen Sphären. Unser christliches Lebens soll sich im Alltag bewähren. Doch die Worte der Schrift begleiten uns dabei, gerade auch in dieser dunklen Zeit. Sie schenken Hoffnung, Orientierung und Halt.

Etty Hillesum

Am 27. Januar war der 76. Gedenktag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. Ich möchte Ihnen die Jüdin Etty Hillesum vorstellen, die am 30. November 1943 in Auschwitz im Alter von 31 Jahren gestorben ist. Sie hatte darauf gehofft, ein langes Leben zu haben. Um darin immer wieder von all dem Schönen zu erzählen, was ihr im Glauben an Gott geschenkt wurde; und wie sich ihr Leben dadurch verwandelt hat. Etty begann im Alter von 27 Jahren Tagebücher zu schreiben. Sie wird durch den Vernichtungswillen der Nazis aufs Schlimmste erschreckt. Sie vertraut ihrem Tagebuch an: „Lebensangst auf der ganzen Linie. Völliger Zusammenbruch. Mangel an Selbstvertrauen. Abscheu. Angst.“

Zugleich erlebt sie eine innere Befreiung: „Ich ruhe in mir selbst. Und jenes Selbst, das Allertiefste und Allerreichste in mir, in dem ich ruhe, nenne ich „Gott“. Täglich liest sie in der Bibel. Angst und Zuversicht wechseln sich auch in ihrem Leben ab. Doch selbst in Auschwitz geht von Elly Hillesum ein Licht aus. Überlebende beschreiben sie als Persönlichkeit voller Strahlkraft. Für sie ist Gott ein Licht am dunklen Ort geworden. Sein Wort ist aufgegangen in ihrem Herzen und hat es frei und leicht gemacht.

Worte mit Leuchtkraft

Grafik: Pfeffer

Es gibt Worte, die leuchten, wie Jesus auf dem Berg der Verklärung geleuchtet hat. Es ist ein Leuchten, das der Dunkelheit, der Angst und aller Todesfurcht den Schrecken nehmen kann.

Welche Worte der Bibel leuchten in Ihnen? Der Vers von Taizé ist für mich solch ein „Wort“, das Schatten und Dunkelheit vertreiben kann. Um dann wieder befreit weiter zu gehen. Dieses Licht auch durch mich leuchten zu lassen. Und es zu teilen. Damit es uns alle stärken kann auf diesem Weg durch die Dunkelheiten und Schönheiten unserer Zeit.

Amen

 


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