3. Sonntag nach Epiphanias - Predigt zu Rut 1, 1-1

von Pfarrerin Carmen Schneider

(eingestellt am 25. Januar 2021)

[Teil 1] - [Teil 2]


Liebe Schwestern und Brüder,


Carmen Schneider

Pfarrerin der Evangelischen Auferstehungsgemeinde Kriftel

der Text aus dem Buch Rut ist neu unter den Predigttexten. Ich finde die Geschichte um die jüdische Frau Naemi oder Noomi sehr spannend und pfiffig. Lesen Sie doch das ganze Büchlein mal zu Hause in Ihrer Bibel nach.

Drei Frauen - Noomi, Orpa und Rut - sind in Not geraten. Noomi ist mit ihrem Mann Elimelech und ihren beiden Söhnen vor vielen Jahren in das Land Moab gekommen. In ihrer Heimat Israel herrschte eine Hungersnot. Elimelech tut, was auch für viele Menschen nach ihm die einzige Hoffnung ist: auswandern. Für die Hunsrücker und die irischen Bauern, für Nordhessen, die nach Amerika gingen. Für Afrikaner, die heute nach Europa kommen. Moab liegt östlich von Juda, auf der anderen Seite des Toten Meeres. Dieses Auswandern war nicht ganz unproblematisch, da das Verhältnis zwischen Israeliten und Moabitern getrübt war. Diese hatten den Israeliten den Durchzug verweigert, als sie von Ägypten kamen und eine neue Heimat suchten. Die Moabiter hatten Angst, überfremdet zu werden. Die Familie Elimelechs scheint jedoch gut aufgenommen worden zu sein in Moab. Sie bekommen Wohnung und Brot und können überleben. Die Söhne haben sich sogar mit moabitischen Frauen liiert: Eben jene Orpa und Rut. Zunächst stirbt Noomis Mann. Die eigentliche Handlung setzt damit ein, dass auch die beiden Söhne der Noomi sterben. Noomi hat nun niemanden mehr, der für sie sorgen kann.

Das ist nicht nur eine menschliche, sondern auch eine soziale Katastrophe. Für Witwen und Waisen gab es in diesem Falle keine weitere Absicherung. Deswegen will Noomi zu ihrer Sippe nach Israel zurückkehren. Die Schwiegertöchter hängen an ihr, begleiten sie ein Stück des Weges. Hier wird der Erzähler ausführlich. Vorher bleibt es bei der eher sachlichen Schilderung der Ereignisse. Das Gespräch der drei Frauen beim Abschied nimmt einen breiten Raum ein. Noomi will die Schwiegertöchter nach Hause schicken. Dort haben sie die Chance, von ihren Herkunftsfamilien wieder aufgenommen zu werden. Um dann die Aussicht auf neue Männer zu haben, die sie versorgen und ihnen Schutz geben können. Dann kann sich das aufgewühlte Leben der beiden wieder beruhigen. Noomi, die Ältere, dankt den beiden Schwiegertöchtern für das, was sie ihr und auch den Söhnen an Liebe und Treue erwiesen haben. Als Jüdin segnet sie die Frauen und vertraut sie Gottes Barmherzigkeit an.

Von ihr selbst, Noomi, wird berichtet, dass sie Gottes Hand schwer auf sich lasten sieht. Bittere Gedanken überwiegen, ihre Zukunft sieht sie im Ungewissen. Auch wenn wir in unserem reichen Land abgesichert sind, ist die Situation von älteren Menschen, besonders den Alleinstehenden auch hier nicht immer nur gut versorgt und geklärt. Zu Coronazeiten ist es für die Älteren ohne soziales Umfeld auch eine menschliche Katastrophe. Viele leiden stumm vor sich hin. Wenige verarbeiten ihren Schmerz durch eine zunehmende Isolation verbal oder schriftlich. Ein beredtes Zeugnis einer solchen Klage durfte ich letzte Woche in der Hand halten. Wenn zu der Vereinsamung noch finanzielle Engpässe dazu kommen, oder Menschen in Altersarmut sind, die besonders die Frauen betrifft, wird es „eng“. Orpa, die eine Schwiegertochter, gehorchte der Stimme der Vernunft und verabschiedet sich schließlich von Noomi, um wieder nach Moab zurück zu gehen. Das wird ohne Wertung erzählt. So kann und darf sie handeln. Das ist angemessen und verständlich. Rut besteht jedoch darauf, mit Noomi zu gehen. Obwohl eine Zukunft in dem für sie fremden Land mehr als unsicher ist.

 

„Wo du hingehst, da will ich auch hingehen.
Wo du bleibst, da bleibe ich auch.
Dein Volk ist mein Volk, dein Gott ist mein Gott.
Wo du stirbst, da sterbe ich auch,
da will ich auch begraben sein.
Der Herr tue mir dies und das,
nur der Tod wird dich und mich scheiden.“


Das sind goldene Worte. Sie sind so großartig, dass sich viele Brautpaare diese Worte als ihren Trauvers auswählen. Auch wenn sie in der Bibel von Frau zu Frau gesprochen werden, drücken sie doch im Kern ein starkes Gefühl für Zusammengehörigkeit aus. Sie enthalten den Wunsch, dass dieses tiefe Gefühl auf immer und ewig Bestand haben soll.


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