Predigt zum 16. Sonntag nach Trinitatis
von Pfarrerin Carmen Schneider


[Teil 1] - [Teil 2]

Die Botschaft des Briefes an Timotheus für unsere Zeit


Wir leben in unserer Zeit und haben diese Zeit zu bestehen. Mit Liebe, Kraft und Besonnenheit. Nicht von ungefähr war der Spitzensatz des Timotheusbriefes einer der ersten Verse, der von vielen Geistlichen angesichts der Coronakrise zitiert wurde. Jetzt war er bei der Kirchensynode der EKHN wieder der Spitzensatz unseres Kirchenpräsidenten.

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. (Vers 7)

Wir werden in unserem Land nicht ins Gefängnis geworfen, wenn wir für unseren Glauben einstehen. Wie es dem Apostel Paulus ergangen ist. Der dann auch wegen des Einstehens für seine Überzeugungen schließlich den Tod erlitten hat. Damals gab es in dem Umfeld des Briefeschreibers viel Spott und Häme, wenn jemand dem christlichen Glauben anhing. Viel schämten sich dementsprechend, sich offen zu Christus zu bekennen. Die Scham, die der Timotheusbrief kennt, die Zugehörigkeit zum christlichen Glauben munter zu bekennen, kennen wir inzwischen auch wieder.

Ich weiß nicht, ob meine Erwachsenenworte zu euch sprechen, liebe Konfis. Gerade euch betrifft das auch. Denn heute ist es für eure Altersgruppe in der Gesellschaft nicht mehr selbstverständlich, sich zum Christentum zu bekennen. Vielleicht werdet ihr sogar belächelt. Habt den Mut, euch des Glaubens nicht zu schämen. Vielmehr macht euch wirklich ein Bild, weshalb ihr in der Nähe Gottes bleiben möchtet und welche Kraftquelle der Glaube für euch im Leben ist. Letzte Konfistunde haben das viele so ausgedrückt, dass ihr diesen Weg gehen möchtet. Oder: Zuletzt in einem großen Geschäft in Kriftel. Mehrere Verkäuferinnen führten über einen Radius von 10 Metern hinweg eine laute Unterhaltung. „Mein Enkel hat solch einen guten Abschluss gemacht. Ausgerechnet in diesen Fächern Sport und Religion nicht. Stellt euch das mal vor: Fächer wie Sport und Religion“. Allgemeines hämisches Gelächter.

Nun da ich unfreiwillige Zeugin dieses ungenierten Gesprächs wurde, habe ich zum allgemeinen Thema beigetragen. „Nun, Religion ist ja ordentliches Lehrfach. Da muss man sich eben genauso anstrengen, um gute Noten zu bekommen. Ohne die Inhalte dieses wichtigen Faches verstünden wir unsere Kultur gar nicht. Und nicht die Werte, auf denen unsere Gesellschaft aufbaut. Für die Jugendlichen selbst ist es ein großartiges Angebot, zur Orientierung durch ihr Leben.“ Schämet euch des Evangeliums nicht, wenn inzwischen so schamlos über das geredet wird, was uns doch ein Herzensanliegen ist! Situationen, den Kopf hängen zu lassen, wie damals der Apostel, kennen wir auch. Unser Miteinander in den Gemeinden ist ebenso nicht immer nur von Freundlichkeit geprägt. Kleinliche Machtgerangel und Intrigen finden statt. Unsolidarisches Verhalten. Es wird gelästert und geredet hinter den Rücken. Das Verhalten zieht sich quer durch alle Altersgruppen. Es gilt, den Mut zu haben, das nicht stehen zu lassen, wenn man das mitbekommt. Wenn eineR selbst betroffen ist: offen auszusprechen, was einen runterzieht. Das Machtspiel nicht mitmachen!

In unseren christlichen Gemeinden steht heute so viel mehr auf dem Spiel. Es geht um das „Bleiben“. Um das „Bestehen“. Nicht angesichts offener Christenverfolgung. Sondern angesichts zunehmender Bedeutungslosigkeit in der Gesellschaft. Da haben kleinliche Machtgerangel keinen Platz. Diese höhlen die Gemeinschaft von innen aus. Das muss dann gar nicht erst von außen betrieben werden. Das macht Neuen, die sich orientieren wollen, auch keinen Mut, mitzumachen; ihre neuen Ideen einzubringen sowie Verantwortung zu übernehmen.

Ein fröhliches Ostern am Ende des Septembers


Unser Text möchte, dass wir uns auf das Höhere besinnen, in dessen Namen wir unterwegs sind und wozu wir berufen sind:

9 Er hat uns selig gemacht und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht nach unsern Werken, sondern nach seinem Ratschluss und nach der Gnade, die uns gegeben ist in Christus Jesus vor der Zeit der Welt,

10 jetzt aber offenbart ist durch die Erscheinung unseres Heilands Christus Jesus, der dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat durch das Evangelium.
( 2. Tim. 1, 9-10)

Das ist wie ein kleines Osterfest am Ende des Septembers! Im Licht des Auferstandenen stehen wir: da müssen wir uns gar nicht nicht klein machen (lassen) und schämen: weder für unseren Glauben noch für das, was jedeR einzelne mitbringt als seine/ihre Botschaft in diese Welt. Dieses Licht sollen und dürfen wir hochhalten und leuchten lassen. Damit die Gnade des Evangeliums nicht in Bedeutungslosigkeit oder kleinen inneren Machtgerangel versinkt. Oder aber: Wer vor Gott kniet, muss vor den Menschen nicht buckeln.

Dem Tod und allen Negativstrukturen ist die Macht genommen, auch schon in diesem Leben:

  • Wir dürfen unser ganzes Potential nutzen.
  • Allein und in der Gemeinschaft.
  • Wir müssen keine Angst haben, da wir nicht nur auf dieses Leben reduziert sind, sondern durch Jesus Christus uns die Angst vor dem Tod genommen ist.
  • Wir dürfen unsere Gottesgaben weitertragen: mit Kraft, Liebe und Besonnenheit.


Bereit und gestärkt für die Mutprobe, die Leben heißt ?

Mit welch einer Botschaft: Du bist begabt, berufen, begnadet.
Schäme dich des Evangeliums nicht, schäme Dich deiner nicht und lass es leuchten, Dein Licht!

Amen


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