Predigt zum Pfingstsonntag

von Pfarrerin Carmen Schneider

(eingestellt am 1. Juni 2020)

[Teil 1] - [Teil 2]


Liebe Schwestern und Brüder an Pfingsten,


Carmen Schneider

Pfarrerin der Evangelischen Auferstehungsgemeinde Kriftel

stellen Sie sich einmal dieses überwältigende Szenario vor: Ein Brausen erhebt sich - wie bei einem gewaltigen Sturm, Zungen „wie von Feuer“ setzen sich auf die 12 Jünger, erfüllt vom heiligen Geist reden alle in anderen Sprachen. Und sie werden gehört und verstanden! So blumig drückt die Sprache Martin Luthers das jedenfalls in der Apostelgeschichte aus - was auch immer das dann im Klartext heißen mag.

Besonders wenn ich den Kindern im Kindergottesdienst diese wundersamen Vorgänge des ersten Pfingstfestes erklären soll, habe ich mich immer ein bisschen um die Begrifflichkeiten herum gemogelt. Das reinste Chaos ist das doch! Das zu erklären ist schwierig.

Es ist eher zu umschreiben: Mit Dynamik, Bewegung, Kraft zur Veränderung, geeinter Vielfalt, Inspirationsquelle für Gemeindegründungen. Es ist die Initialzündung für ein Gemeinschaftserlebnis aus dem Geist heraus. Der Blick in die Religionsgeschichte bringt Klarheit in unser Chaos.

Der Begriff Pentekoste ist die griechische Übersetzung für das alte Erntefest der Juden, das am Ende einer 7-wöchigen Erntezeit gefeiert wurde. Das war am 50. Tag - Pentekoste Hemera - nach Passah. Dieser ursprünglich agrarische Charakter ging nach der Zerstörung des jüdischen Tempels 70 nach Christus in ein Bund-Erneuerungsfest über: Schawuot. Gedacht wurde an den Bund Gottes mit seinem Volk am Sinai.

Aus Pentekoste wird bei uns Pfingsten.

Aus dem Alten Testament ist auch die Erzählung von dem Sturmwind und Feuer geborgt. Es steht dafür, worin Gott sich selbst zeigt. Denken Sie auch an die Stimme Gottes als er sich Moses in einem brennenden Dornbusch offenbart.

 

Gewissheit und Aufbruch


Sturm und Feuer

in einem Fenster der Auferstehungskirche (Foto: Werner Mitsch)

Aus dieser Tradition kommen wir. Wir Christen denken bei der Zeitspanne von 50 Tagen jetzt natürlich an die Zeit von Ostern bis Pfingsten. So steckt im Pfingstfest beides drin: Das Beständige von Gottes ewigem Bund mit seinen Menschen. Und die Dynamik und Bewegung, die in den Elementen Sturmwind und Feuerzungen so gut ausgedrückt ist.

An ihrem ersten Pfingstfest haben die Jünger ebenso beides erfahren. Vergewisserung im Glauben und die Kraft zum Aufbruch. Die zur Gründung von Gemeinden in dem Geist Gottes führte.

An Karfreitag wurde ihr Hoffnungsträger gekreuzigt. An Ostern auferweckt. Er blieb eine Zeitlang unter ihnen. Bis er an Himmelfahrt vor ihren Augen in den Himmel entrückt wurde. Das musste eine irrsinnige Irritation ausgelöst haben. Der eben noch um sie war, entschwindet schon wieder. Was soll jetzt aus ihnen werden? Die Sehnsucht treibt die Jünger an, nach Jerusalem zurückzukehren. Wenigstens zusammen zu sein, war die Devise. Sich beizustehen und einander zu trösten. Lukas berichtet, dass sie miteinander beten. Dann kommt dieser besagte chaotische Pfingsttag. 10 Tage nach der Auffahrt.

 


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