Predigt zum 12. Sonntag nach Trinitatis

von Pfarrerin Carmen Schneider

(eingestellt am 10. September 2020)

[Teil 1] - [Teil 2]


Liebe Schwestern und Brüder,


Die Kathedrale von Cartres

Foto: Guy Dugas auf Pixabay

auf meiner Route in die Bretagne fahre ich meist über das Städtchen Chartres. Das erste Mal war ich dort mit einer Freundin auf einer Radtour nach dem Abitur. Seitdem zieht mich der romantische Ort mit seiner Kathedrale magisch an. Die ursprünglich romanische Kirche wurde durch ein Feuer bis auf die Grundmauern zerstört. Der gotische Neubau begann im Jahr 1194. Die Kirche ist seitdem erhalten geblieben und einzigartig. Die Kathedrale ist schon von weitem zu sehen, wenn man in die Stadt fährt oder wie früher die Pilger hinein läuft. Mir geht jedes Mal das Herz auf. Chartres ist so etwas wie ein Sehnsuchtsort für mich. Er strahlt Zeitloses aus und entfaltet darin seine Kraft und Beständigkeit. Die Seele kann zur Ruhe kommen.

Über den Bau einer Kirche redet auch der Apostel Paulus im 1. Brief an die Korinther 3, 9-17:

 

  9 Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau.
10 Nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe ich den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut.
11 Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.
12 Wenn aber jemand auf den Grund baut Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh,
13 so wird das Werk eines jeden offenbar werden. Der Tag des Gerichts wird es ans Licht bringen; denn mit Feuer wird er sich offenbaren. Und von welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer erweisen.
14 Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen.
15 Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch.
16 Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?
17 Wenn jemand den Tempel Gottes zerstört, den wird Gott zerstören, denn der Tempel Gottes ist heilig – der seid ihr.


Hausbau als Bild für eine Gemeinde


Paulus schreibt über einen Kirchenbau der besonderen Art. Er nimmt dabei weniger das Gebäude aus Steinen in den Blick. Vielmehr den Aufbau einer Gemeinde, den er mit dem Bau eines Hauses vergleicht. Ihm geht es um das Fundament, die Mitarbeiter und die Ausrichtung …

Dazu eine kleine Geschichte:
„Drei Steinmetze arbeiten auf einer Baustelle. Ein Passant fragt sie danach, was sie tun. Der erste Steinmetz räumt mürrisch Steine zusammen und sagt: ‚Ich verdiene meinen Lebensunterhalt.‘ Der zweite Steinmetz klopft mit wichtiger Miene weiter auf seinen Stein, während er antwortet: ‚Ich liefere die beste Steinmetzarbeit weit und breit.‘ Der dritte Steinmetz aber schaut den Fragenden ruhig und mit glänzenden Augen an und sagt: ‚Ich baue eine Kathedrale.‘ “

Warum und wofür bauen wir im Leben?


Für Brot und Geld? Für’s eigene Ego? Für eine Sehnsucht, einen Traum…? Das hat uns Paulus dazu zu sagen…

  • Liebe Gemeinde! "Ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau" (Vers 9)

Paulus schreibt solche Worte an die Gemeinde in Korinth. Er hat ein festes Anliegen. Es gibt Streit in der Gemeinde. Parteiungen haben sich gebildet. Das Bauprojekt der Gemeinschaft scheint gefährdet zu sein. Die einen sagen, sie gehören zu Apollos. Die anderen sagen, sie gehören zu Paulus. Solches Verhalten zerstört mehr als dass es aufbaut. Darum spricht Paulus der Gemeinde ins Gewissen. Es geht nicht um Apollos oder Paulus: Gottes Bau und Ackerland seid ihr. Ich, Paulus, bin nur sein Mitarbeiter, der einen Anfang mit euch gemacht hat. Baut ihr am Haus der Gemeinde weiter ! Am Ende zeigt sich, ob es Bestand haben wird. Am Ende wird evaluiert.

  • "Und von welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer erweisen" (Vers 13)

Da scheidet sich dann professionelle Wertarbeit vom Baupfusch. Wie ist das bei uns, wenn wir an Gottes Haus weiter bauen? Bestehen wir die Feuerprobe oder bleibt kein Stein auf dem anderen?

  • "Wenn aber jemand auf den Grund baut Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh, so wird das Werk eines jeden offenbar werden" (Vers 12).

Die diversen Baumaterialien werden von Paulus in der absteigenden Wertigkeit und Beständigkeit genannt: Zuerst kommt das Gold und am Schluss das schnell brennende Stroh. Das was wir uns aufbauen, im eigenen Leben, wie in unseren Gemeinden - ist das aus Gold und hat Bestand? Oder setzen wir auf den Hype, die lodernden Strohfeuer, die aber schnell wieder abbrennen?


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