Predigt zum Karfreitag
von Pfarrerin Carmen Schneider



[Predigt, Teil 1] - [Predigt, Teil 2] - [Predigt, Teil 3] - [Ostergruß]

Die Selbstlosigkeit des Gekreuzigten


Unter dem Kreuz stehen noch Maria, die Mutter Jesu und sein Lieblingsjünger Johannes. Maria - ganz in weiß gekleidet - muss der Ohnmacht nahe sein darüber, was ihrem Sohn da gerade geschieht.

Was ist mit den Menschen, die in unseren Tagen erleben, wie ihre nahen Angehörigen erkrankt sind und leiden? Und sie noch nicht einmal hin dürfen, um ihnen beizustehen und sie zu trösten? Noch nicht einmal die Hand halten dürfen, wenn einer es nicht schafft, die Krankheit zu überwinden und im Sterben liegt? Das hinterlässt ein absolutes Gefühl der Ohnmacht. Jesus vertraut seine Mutter dem Lieblingsjünger Johannes an. Er hält Maria im Arm. Der Gekreuzigte ist so selbstlos, auch in dieser Situation noch für die Mutter und den Jünger zu sorgen.

Wie wichtig, dass wir Gemeinschaft untereinander haben. Dass es in diesen Tagen Menschen gibt, die sich um unsere Gesundheit sorgen. Die die Pflege übernehmen, die Sorge um das tägliche Brot, die Aufrechterhaltung unserer Ordnung und die vielen Alltagshelden, die einfach versuchen, in dieser schweren Zeit füreinander da zu sein. Ihre Arme können nicht lang genug sein. Auch ihnen gilt die Sorge des Gekreuzigten, sie mögen sich nicht übernehmen. Und auch Selbstfürsorge betreiben und sich Ruhe gönnen.


Maria Magdalena kommt ebenso eine tiefe Bedeutung in der Kreuzigungsszene zu. Sie wird kniend abgebildet. Sie reckt ihre Hände flehentlich nach oben. Maria Magdalena ist eine Augenzeugin. Sie soll für uns ein Vorbild sein, weil sie im Glauben an Jesus Christus ihre Kraft findet. Sie wird ganz nahe ans Kreuz gerückt. Wir sollen im Glauben auch nahe an Ihn gerückt werden, der uns Halt und Trost geben kann.

Schicksalsgemeinschaft unter dem Kreuz


Früher wurden Kranke zu Beginn ihrer Behandlung zu genau diesem Altar von Matthias Grünewald gebracht. Wieso wurden die Kranken und Leidenden dieser so überaus schrecklichen Leidensszene ausgesetzt? Vermutlich konnten sie Trost schöpfen beim Anblick des Leides Jesu. Das ist unser Herr Jesus Christus, der hat solch schlimmes Leid ertragen. Sie sollten aus dieser Verbindung Kraft und Hoffnung für ihr Seelenheil schöpfen.

Wir alle bilden eine Schicksalsgemeinschaft, die wir mit unter dem Kreuz stehen. Das Leiden und die Hilflosigkeit erleben wir derzeit hautnah mit. Es ist nicht fern, es betrifft uns. Wir sind in unterschiedlicher Weise betroffen, wie die Personen der Kreuzigungsszene auch. Wir können in unseren Nöten den Trost und die Heilung erfahren, wenn wir zu dem Kreuz aufblicken:

  • 17 Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. …
  • 19 Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.
  • 20 So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!
  • 21 Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt“. (2. Korinther 5, 17-21)


Gottes Segen begleite Sie,

Ihre Carmen Schneider


Auf der folgenden Seite finden Sie noch einen
Ostergruß von Pfarrerin Schneider.


« zurück - weiter »
«« Anfang der Predigt


» Andachten/Predigten/Gottesdienste
» Startseite