Andacht zur Karwoche

von Gemeindereferentin Bettina Fritz

(eingestellt am 6. April 2020)

Liebe Christen in Kriftel,


Bettina Fritz

Gemeindereferentin in der katholischen Pfarrei St. Peter und Paul Hofheim-Kriftel

endlich Osterferien … eigentlich … viele von uns haben sich darauf gefreut, ein paar Tage wegfahren oder wegfliegen, die Großeltern oder liebe Freunde besuchen, die ersten richtig warmen Frühlingstage genießen, grillen, feiern, Ostereier suchen … Ja und natürlich auch die Gottesdienste besuchen, am Palmsonntag, Gründonnerstag und Karfreitag – endend mit den feierlichen Ostergottesdiensten am Sonntag und Ostermontag. Eigentlich. Aber in diesem Jahr ist alles anders. Der Urlaub gecancelt, Großeltern und Freunde müssen auf den Besuch verzichten, Grillen in der Öffentlichkeit ist verboten, die obligatorischen Ausflugsziele im Rheingau und im Taunus sind gesperrt. Seit drei Wochen sind wir angehalten zuhause zu bleiben. Zu unserer und zu aller Sicherheit. Wir haben uns damit abgefunden und merken vielleicht zu ersten Mal, wie gut es uns eigentlich geht. Trotzdem vermissen wir unser normales Leben und wollen so schnell wie möglich wieder all das erleben, was doch eigentlich total normal ist.

Was bleibt, ist die Karwoche – ob mit oder ohne Corona. Die heilige Woche. Die Woche, in der wir als Christinnen und Christen ganz bewusst den Weg Jesu mitgehen, ihn in den letzten Tagen und Stunden seines Lebens begleiten, bis zur Auferstehung am Ostersonntag. Tage zwischen Jubel, Angst, Trauer und schließlich neuer Hoffnung und Freude auf ein Leben bei Gott.

 

Am Palmsonntag wird er von den Menschen in Jerusalem mit lautem Jubel begrüßt. Die Menschen bereiten ihm einen königlichen Empfang, bevor die Stimmung nur wenige Tage später kippt und die gleichen Menschen seine Hinrichtung fordern. Dazwischen der Gründonnerstag, das letzte gemeinsame Mahl und schließlich Angst, Enttäuschung und Verrat. Nur einen Tag später wird Jesus hingerichtet und stirbt einen grausamen Tod. Alles scheint aus und vorbei zu sein. Aber die Geschichte ist bekannt. Am dritten Tag erfahren die Frauen das Wunder. Jesus ist auferstanden, er hat den Tod besiegt, so wie er es immer wieder verkündet hat – nur hat damals noch keiner seine Hinweise so richtig verstanden.
 


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Ganz viel Hoffnung


Was hat jetzt die Karwoche mit unserer momentanen Situation zu tun? Ich sehe da gewisse Parallelen und vor allem ganz viel Hoffnung. Viele von uns haben Angst. Angst sich anzustecken, Angst, eventuell nicht wieder gesund zu werden, Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren oder in der Schule den Anschluss zu verpassen. In den Supermärkten erleben wir, dass einige Menschen ihr eigenes Wohl über das der Allgemeinheit stellen, indem sie viel mehr einkaufen, als es eigentlich nötig wäre, da werden Desinfektionsmittel aus Krankenhäusern oder Reha-Zentren gestohlen.

Ich sehe aber auch Menschen, die sich einsetzen für andere, die Hoffnung spenden und einfach da sind, wo sie gebraucht werden. Zum Beispiel nähen Privatpersonen Schutzmasken, die sie verschenken oder preiswert verkaufen, Firmlinge oder Konfirmanden machen Botengänge für Menschen, die sich zur Zeit nicht selber versorgen können. Lichtblicke in all der Not, die bei uns in Deutschland zum Glück noch überschaubar ist, im Gegensatz zu Spanien oder Italien.

Auf die Karwoche übertragen, sehe ich uns irgendwo zwischen Gründonnerstagnacht und Karfreitag. Es heißt, der Höhepunkt ist noch nicht erreicht – Karfreitag. Aber dann käme ja der Ostersonntag. Auch für uns. Auferstehung, Neubeginn, alles auf Anfang. Das Versprechen Gottes durch Jesus Christus, uns niemals alleine zu lassen. Nicht im Leben und erst recht nicht in Zeiten der Not. Diese Pandemie wird vorüber gehen, und wir haben die Chance, etwas Positives aus diesen Wochen zu machen: Unser bisheriges Leben zu überdenken, dankbarer zu sein, für das, was wir haben und nicht alles als selbstverständlich hinzunehmen. Aber natürlich auch, uns einfach darüber zu freuen, dass es überstanden ist. Wieder raus zu fahren in die Natur, Freunde und Verwandte treffen und das Leben zu feiern. Auferstehung feiern. Noch nicht jetzt – aber bald!

Bis dahin, bleiben Sie gesund!

Eine gesegnete Karwoche und ein frohes Fest der Auferstehung wünscht Ihnen

Ihre Bettina Fritz