Andacht von Pfarrer i.R. Joachim W. Bremer

(eingestellt am 17. April 2020)

Liebe Krifteler,


Pfarrer i.R. Joachim W. Bremer

mit seinem Enkel Jacob (Foto: privat)

heute meine Gedanken zum Sonntag nicht in der Kirche im Gottesdienst zum Zuhören, sondern an der Kirche zum Lesen.

Ich möchte mit einer Lesefrucht aus den vergangenen Tagen beginnen: In der kirchlichen Tradition, in der bildenden Kunst und der Musik hat die Passion einen weit größeren Platz und Bedeutung als die Auferstehung.

Passion, Leiden ist erfahrbar, die Auferstehung ein Wunder, ohne menschliche Beteiligung, in Kunst und Musik schwer fassbar. In vielen Kirchen bleibt der Blick des Besuchers deshalb an dem Abbild des Gekreuzigten hängen, dort vereinen sich das Leid der Welt mit derm Bekenntnis der Erlösung.

 


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Der auferstandene Christus

umgeben von goldenen Strahlen in der Krifteler Auferstehungskirche (Foto: Marek Kasinski)

Gut, die Krifteler Auferstehungsgemeinde ist da die besondere Ausnahme, im Gottesdienst schauen Sie auf das Abbild des Auferstandenen, umgeben von goldenen Strahlen, das Zeichen des neuen Lebens aus dem Osterfest.

Die Person, die wir mit diesem Sonntag nach Ostern am ehesten verbinden, ist die des Jüngers Thomas. Er hatte die Botschaft von der Auferstehung zwar gehört, will dem aber nicht recht Glauben schenken. “Ich hätte da gern ein paar Beweise, dass das auch so ist”, so wendet er sich an die anderen Jünger und natürlich auch an Gott. Und, eine Woche nach dem Osterfest, da steht Jesus vor ihm, zeigt ihm die Spuren der (überstandenen) Kreuzigung und überzeugt den Skeptiker. Gut so für uns.

Diese Geschichte von der Überwindung des Zweifels und der Zweifler hat eine Parallele im Alten Testament, im Buch des Propheten Jesaja. Große Zweifel damals, ob man der Aussage trauen kann, Gott habe sich erbarmt, es gäbe neues Leben trotz der Gefangenschaft in Babylon, Aussicht auf Rückkehr in das eigene Land. Der Prophet hat schwer zu tun.

"Schaut an den Himmel", sagt er, "könnt ihr die Sterne zählen?" Der Gott, der DAS geschaffen hat, wird euch sicher zurückbringen. ER ist in Liebe und Fürsorge für euch da. Glaubt daran!

Wir brauchen immer wieder Zuspruch und Ermutigung. Setzen Sie sich in die Kirche (wenn es wieder geht), betrachten Sie das Bild der Auferstehung, trauen Sie der Botschaft: “Ich lebe und ihr sollt auch leben!” Und wenn Sie dann aus der Kirche kommen, dann nehmen Sie das mit.

Viele Grüße!

Ihr
Joachim W. Bremer, Pfr.iR.

(der den Gottesdienst am Sonntag in der Auferstehungskirche halten sollte …)